REIZE REDUZIEREN IN DER WOHNUNG - 10 EINFACHE TIPPS GEGEN REIZÜBERFLUTUNG
- maximilianschweige
- vor 14 Minuten
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Als Ordnungscoach höre ich von meinen Kund:innen immer wieder Sätze wie "Es steht so viel rum" oder "Ich würde auch gern mal wieder meinem Hobby nachgehen, aber ich kann mich nicht darauf konzentrieren". Die Reizüberflutung in der Wohnung zu bekämpfen, ist ein großer Wunsch vieler.
Denn täglich prasseln unzählige Reize auf uns ein - egal ob online auf dem Smartphone oder draußen in der analogen Welt. Bei all den Eindrücken, der Hektik und der Lautstärke sollte das eigene Zuhause nicht auch noch ein Ort der Reizüberflutung sein.
Ständig mit all den herumliegenden Dingen konfrontiert zu sein, die etwas von dir wollen, kann eine echte Belastung sein - einmal mehr wenn du hochsensibel bist oder AD(H)S hast. Denn all diese Dinge verlangen nicht nur deine Aufmerksamkeit, sie ziehen dir auch wertvolle Energie und lenken dich ab.
Sie lenken dich von dem ab, was dir eigentlich wichtig ist, was du eigentlich brauchst. Zum Beispiel zu Hause einer freudvollen Tätigkeit nachgehen oder einfach abschalten und sich erholen. Was würdest du gern lieber zu Hause tun, wenn du nicht ständig reizüberflutet wärst?
Deine eigenen vier Wände sind dein persönlicher Safespace und du kannst selbst bestimmen, welchen Reizen du dich aussetzt. In meinen Ordnungscoachings reichen oft schon kleinere Veränderungen aus, um eine erste spürbare Erleichterung zu erreichen.
Wenn du den Wunsch hast, Reize in deiner Wohnung zu minimieren, aber nicht so richtig weißt, wie du das bewerkstelligen kannst, dann findest du in diesem Artikel die passende Motivation und zehn Tipps, mit denen du dich der visuellen Reizüberflutung entgegenstellst.
10 TIPPS GEGEN REIZÜBERFLUTUNG - WIE LASSEN SICH REIZE REDUZIEREN?
Wie kann es denn klappen, äußere Reize zu minimieren? Ich hab da immer das Bild eines Hotelzimmers im Sinn, das ich betrete und nichts nach meiner Aufmerksamkeit schreit, sondern ich eingeladen bin, mich zu entspannen.

Zugegebenermaßen bin ich so gut wie nie in Hotelzimmern und möchte - wie du sicherlich auch - nicht in einem Leben. Dennoch kennst du bestimmt den Modus, im Urlaub zu sein und keine To-dos im Kopf zu haben oder Dinge zu sehen, die noch gemacht werden müssen.
Im Alltag ist es nicht möglich, keine To-dos im Kopf zu haben und die Wohnung, in der wir leben, ist auch ein Lebensraum, in dem Dinge herumliegen, weil sie benutzt werden. Aber das kann ein zu bewältigendes Maß annehmen, bei dem keine ständige Überreizung und Überforderung entstehen.
Besonders das Ausmisten ist die Basis, auch wenn es durchaus anstrengend sein kann. Aber auch alles, was gar nicht erst den Weg in deine Wohnung findet und somit ein Reiz darstellt, muss potenziell nicht aussortiert werden.
Hier kommen nun also ein paar Tipps für Maßnahmen, die du ergreifen kannst, um Reize von außen in der eigenen Wohnung oder dem eigenen Haus zu reduzieren:
TO-DOS NICHT AUF POST-ITS NOTIEREN
"Staubsaugerbeutel wechseln", "Werkstatt anrufen" oder "Geburtstagseinladung gestalten" - alles wichtige Dinge, die erledigt werden wollen. Schreibe sie nicht alle auf einzelne Notizzettel, die du dann in der Wohnung verteilst.
Führe stattdessen eine einzige To-do-Liste, in der alles gesammelt wird. Wie du Aufgaben (und auch Termine) sinnvoll strukturieren kannst, darüber habe ich hier bereits geschrieben.
UNERLEDIGTE AUFGABEN NICHT OFFEN HERUMLIEGEN LASSEN
Der Flur steht schon wieder mit unzähligen Aufgaben voll, die erledigt werden wollen? Auch auf dem Schreibtisch sammeln sich Rechnungen, die bezahlt und Dinge, die repariert werden wollen? Das sehe ich häufig bei meinen Kund:innen.
Notiere alles in der einen To-do-Liste, damit du sie nicht vergisst. Und dann verstaue die Gegenstände, damit du nicht jedes Mal, wenn du daran vorbeiläufst, erinnert wirst. So entsteht auch gleich mehr Ordnung.
KEINE KOSTENLOSEN MAGAZINE MITNEHMEN
An der Supermarkt- oder Drogeriekasse wartet oft das unternehmenseigene Magazin darauf, mitgenommen zu werden. Oft liegt es dann herum, weil doch die Muße fehlt, es zu lesen.
Um zu vermeiden, dass sich solche Magazine, aber auch Infoflyer, Speisekarten oder gekaufte Zeitschriften unkontrolliert ausbreiten, nimm sie gar nicht erst mit. Du wirst nichts verpassen und kannst deine Zeit mit anderen Dingen verbringen, die du bewusst auswählst.
LESESTOFF IN EINER "LESEN"-BOX ODER -SCHUBLADE VERSTAUEN
Wenn es dann doch ausgewählte Zeitungen und Magazine in dein Zuhause schaffen, lasse sich nicht überall offen herumliegen. "Lies mich!", rufen sie dir ständig zu. Sammle sie stattdessen an einem dafür vorgesehenen Ort.
Das kann eine Kiste, ein Fach oder eine Schublade sein. Ist sie voll, darf nichts Neues dazukommen, bevor nicht etwas Altes geht. Oder auch: Erst wenn die letzte Ausgabe gelesen wurde, darf die neueste gekauft werden.
VON WERBEPOST ABMELDEN
"15% Rabatt, wenn du noch bis zum X. bestellst." oder andere Botschaften lenken dich nur ab und animieren zu Impulskäufen, weil dir plötzlich etwas einfällt, um Geld zu "sparen", obwohl du es eigentlich gar nicht brauchst.
Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Ich will gar nicht wissen, welche "Angebote" ich verpasse. Oft reicht schon eine Mail mit der Bitte, dass du dich von sämtlicher Werbepost abmelden und dies bestätigt haben möchtest.
GESCHLOSSENE SCHRÄNKE OFFENEN VORZIEHEN
Wenn du in einen Raum kommst und gleich das komplette Inventar siehst, kann das schnell zu viel sein und für Ablenkung sorgen. Geschlossene Schränke vermitteln Ruhe und ermöglichen dir, den Fokus zu behalten.
Aber Achtung: hinter Schranktüren und in Schubladen darf nicht das völlige Chaos herrschen. Wenn du etwas suchst, soll es schnell griffbereit sein und wenn du etwas zurücklegst, soll auch das problemlos möglich sein.
DEKO AUF DAS WESENTLICHE REDUZIEREN
Bilder, Vasen, Kerzen, Figuren und Pflanzen wollen angeschaut und auch abgestaubt werden. Stell deine Fensterbänke oder das Sideboard nicht zu voll mit Krimskrams. Ein Zuviel kann schnell erdrückend wirken.
Hat Deko hingegen ausreichend Platz, kommt sie viel besser zur Geltung. Der Vorteil: statt davon reizüberflutet zu werden, kannst du für in Szene gesetzte Einzelstücke viel mehr Wertschätzung empfinden.
FLÄCHEN FREIHALTEN
Besonders Arbeitsplätze wie der Schreibtisch oder die Arbeitsfläche in der Küche lassen sich sofort benutzen, ohne erst aufwendig Dinge beiseite zu räumen. Bei einem Kund:innen-Ehepaar haben wir die Ladestation mit lauter Kabeln aufgelöst.
Sie stand sehr prominent zwischen Ess- und Wohnbereich und war ein Störfaktor. Geräte können jetzt an anderen Stellen einzeln geladen werden und der Bereich ist nun frei und sorgt visuell für Beruhigung.
FARBEN MIT BEDACHT VERWENDEN
Wenn du nicht gerade ein super farbenfroher Mensch bist, den es glücklich macht und erfüllt, davon umgeben zu sein, dann kann es auch helfen, nicht zu viele verschiedene Farben in deiner Wohnung zu haben.
Rot wirkt bspw. aktivierend, zieht Blicke auf sich und kann auch schnell überwältigend sein. Unaufgeregte, gedeckt Farben können Abhilfe schaffen. Setze Farben gezielt da ein, wo sie eine Wirkung für dich erzeugen sollen.
GEGENSTÄNDE NACH BENUTZUNG ZURÜCKRÄUMEN
Du hast gekocht und es stehen die Töpfe sowie das Geschirr herum, du bist nach Hause gekommen und die getragenen Klamotten hängen über dem Stuhl und deine Arbeit liegt auf dem Esstisch?
Ehe du dich versiehst, sammelt sich eine größere Menge an Dingen an. Mach es dir zur Routine, Gegenstände direkt nach der Benutzung zurück an die dafür vorgesehenen Orte zu räumen. Das spart eine große Aktion und du bist weniger Reizen ausgesetzt.
MIT ÜBUNG LASSEN SICH REIZE REDUZIEREN
Das richtige Mindset ist entscheidend. Wir sind dann reizüberflutet, wenn wir schlecht Grenzen setzen können. Nur wenn wir auch mal nein sagen können zu Dingen, die unser Zuhause füllen, können wir uns von äußeren Reizen befreien.
Um sich den unendlichen Möglichkeiten der digitalen, aber auch der analogen Welt zu entsagen, braucht es daher auch die Kompetenz, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Diese Kompetenz will trainiert werden.
Lenke ich mich damit gerade nur ab? Merke ich hinterher, dass es mir doch nicht so gut getan hat, so lange Handy versackt zu sein? Entspricht das wirklich mir oder mache/habe ich das nur für andere? Was sind eigentlich meine Prioritäten?
Ebenso kann es total kraftvoll sein, etwas auch mal bewusst zu verpassen, um zu merken, dass das gar nicht so schlimm ist. Das kostenlose Magazin mit Gesundheitsbeiträgen und Rezepten einfach mal liegenlassen und stattdessen das bewusst ausgewählte Buch lesen und die bereits vorhandenen Rezepte kochen.
Sich freizumachen von den Versuchungen, um nicht davon kontrolliert zu werden, ist ein Schlüssel zu einer reizärmeren Umgebung. Letztlich geht es darum, selbst die Kontrolle über den eigenen Besitz zu haben und nicht andersherum.
HÄUFIGE FRAGEN
WIE MACHT SICH EINE REIZÜBERFLUTUNG BEMERKBAR?
Eine Reizüberflutung kann sich durch Symptome wie Überforderung, Konzentrationsschwierigkeiten, Gereiztheit, Kopfschmerzen, Nervosität, Erschöpfung, innere Unruhe, schnelle Reizbarkeit, das Bedürfnis nach Rückzug und Schwierigkeiten, Informationen aufzunehmen oder zu verarbeiten, zeigen.
WARUM FÜHLE ICH MICH ZU HAUSE SO ÜBERREIZT?
Möglicherweise bist du zu vielen Dingen ausgesetzt, die ständig deine Aufmerksamkeit verlangen und somit dauerhaft deine Reizschwelle überschreiten. Viele offen herumliegende Gegenstände, zu viel Deko, bunte Farben, vollgestellte Flächen und unzählige To-dos können für eine Reizüberflutung sorgen.
WAS PASSIERT IM GEHIRN BEI EINER REIZÜBERFLUTUNG?
Bei Reizüberflutung werden zu viele Sinneseindrücke gleichzeitig verarbeitet. Das Gehirn kann Reize nicht mehr effizient filtern, was zu Stress, Überforderung und erhöhter Aktivität in Amygdala und präfrontalem Kortex führt.
WAS SIND REIZE?
Reize (z. B. optische) sind Einwirkungen auf den Organismus. Sie werden von einem Rezeptor einer Sinneszelle registriert, umgewandelt und ins Zentrale Nervensystem weitergeleitet. Dort findet die Verarbeitung statt, aus der letztlich eine Reaktion folgt.
WAS HILFT SCHNELL BEI REIZÜBERFLUTUNG IN DER WOHNUNG?
Bei einer Reizüberflutung können schon kleine Veränderungen helfen. Mögliche Maßnahmen können sein, dass man aussortiert, Gegenstände nach der Benutzung nicht herumliegen lässt, sondern direkt wegräumt. Auch geschlossene Schränke sorgen für weniger Reize und Ablenkung.
FAZIT - WAS DU GEWINNST, WENN DU REIZE IN DEINER WOHNUNG REDUZIERST
Wie du sicherlich gemerkt hast, können potenziell alle sichtbaren Dinge, die dich umgeben, optische Reize sein. Da die Reizschwelle individuell ist, kann es für dich hilfreich sein, Maßnahmen zu ergreifen, um Reizüberflutung zu stoppen.
Denn ich weiß aus vielen Ordnungscoachings mit meinen Kund:innen, dass die negativen Auswirkungen einer Reizüberflutung sehr belastend und einschränkend sein können. In den eigenen vier Wänden bestimmst du selbst, welchen Reizen du ausgesetzt bist.
Falls du AD(H)S hast oder hochsensibel bist, profitierst du stark von einer reizärmeren Umgebung in den eigenen vier Wänden. Aber auch als neurotypische Person wirkst du damit effektiv einer Überstimulierung entgegen, sodass der Fokus klarer und die Ablenkung reduziert wird.
Das Leben in einer reizärmeren Umgebung kann auch dafür sorgen, dass du besser zur Ruhe kommst, dass du genug Raum für Entspannung hast und den Kopf frei bekommen kannst, anstatt ständig vernebelt zu sein.
Die Vorteile liegen auf der Hand. Weniger Reize bedeuten erst einmal, dass da wieder mehr Aufmerksamkeit für andere Dinge ist. Seien es das Bedürfnis nach Erholung oder die Muße, dem Hobby nachzugehen.
In einer Umgebung, in der weniger Stimuli auf uns einprasseln, können wir endlich wieder eine Klarheit spüren, die wir lange nicht hatten. In den Vordergrund rückt all Jenes, das uns wirklich wichtig ist, das uns Freude bereitet und das uns erfüllt.
Sich nicht mehr zu ärgern, dass Rechnungen nicht rechtzeitig bezahlt oder Termine vergessen worden sind, kann dafür sorgen, wieder mehr Selbstbewusstsein zu haben. Wir können den Aufgaben und Menschen wieder gerecht werden, weil die Kapazitäten wieder vorhanden sind.
Es ist ein herrliches Gefühl, mit klarem Kopf durch die eigene Wohnung zu gehen und nicht ständig überreizt und überfordert zu sein, weil etwas danach schreit, weggeräumt, geputzt, gelesen oder bearbeitet werden will.
Stattdessen können wir uns einfach den Dingen widmen, für die wir intrinsisch, also aus uns heraus, motiviert sind. Mit dem Reduzieren von Reizen in deiner Wohnung gewinnst du einen Ort, der als Ruhepol und Kontrast zur Reizüberflutung der Außenwelt dient.
Reize zu minimieren, bedeutet auch, Dinge auszusortieren. Entscheidungen zu treffen und Aussortiertes wegzubringen, kann eine große Hürde sein.
Wenn du also Unterstützung beim Ausmisten benötigst, dann stehe ich dir gern als empathischer und motivierender Begleiter zur Seite.



